Mit Tragetüchern die Milchbildung fördern

Mutter und Neugeborenes in direktem Hautkontakt

Viel Haut-zu-Haut-Kontakt ist auch ohne besondere Anschaffungen realisierbar, z.B. unter der Bettdecke (© Tyler Olson)

Babys, die viel Körperkontakt genießen und getragen werden, sind ausgeglichener und weinen weniger. Der Körper der Mutter ist nämlich der natürliche „Biotop“ des Säuglings: Dort fühlt sich das Neugeborene sicher und geborgen. Viel Körper- und vor allem Hautkontakt fördert darüber hinaus auch die Milchbildung. Denn der direkte Haut-zu-Haut-Kontakt regt die Milchbildungshormone bei der Mutter an und ermöglicht den ungehinderten Zugang zur Brust und das häufige Stillen. Tragehilfen können das Känguruen unterstützen.

Mutter hält krankes Frühgeborenes unter ihrer Kleidung

Känguruen unter normaler Kleidung. (© Steven Lovegrove)

Tragehilfen gibt es mittlerweile in unzähligen Variationen und von zahlreichen Herstellern. Die verschiedenen Varianten haben ihre Vor- und Nachteile und eignen sich für verschiedene Situationen. In diesem Beitrag geht es darum, wie mithilfe von Tüchern und anderen Tragehilfen das Stillen gefördert und erleichtert werden kann.

Das Bonding-Top fürs Wochenbett

Das Bonding-Top eignet sich insbesondere im Wochenbett hervorragend, um den direkten Haut-zu-Haut-Kontakt zwischen Mutter und Neugeborenem über längere Zeit zu ermöglichen und somit die Milchbildung zu unterstützen.

© Hoppediz

Das Bonding-Top ermöglicht das Känguruen bereits im Kreißsaal und auf der Wochenstation (© Hoppediz)

Auch bei Frühgeborenen ist es zum Känguruen bestens geeignet. Selbst nach einer Kaiserschnittgeburt kann diese Känguruhilfe als sog. „Sectio-Top“ im Kreißsaal eingesetzt werden. Das Baby wird nach dem Kaiserschnitt auf den Bauch der Mutter ins Top gelegt, noch während die Mutter versorgt wird. Das Baby spürt dort die Wärme und den wohl bekannten Herzschlag der Mutter. Es findet die erste Bindung zwischen Mutter und Kind statt und die Stillhormone kommen in Gang (siehe auch die Broschüre des Hospitals zum heiligen Geist). Einige Krankenhäuser nutzen eigene Tücher für dieses so genannte „Sectio-Bonding“, andere bieten das Sectio-Bonding aus organisatorischen Gründen gar nicht an.

Bonding-Top mit Baby 1

Das Bonding-Top dient im Wochenbett als gemeinsames Kleidungsstück von Mutter und Baby. (© Rebdesign)

Das Bonding-Top kann im Wochenbett zum Känguruen den ganzen Tag weiter getragen werden, wo es als ein gemeinsames Kleidungsstück für Mutter und Baby dient: Die Mutter zieht es über ihren nackten Oberkörper an und legt das ebenfalls (ggf. bis auf die Windel) nackte Neugeborene hinein. Das Bonding-Top wärmt und bedeckt beide und hält das Baby auf der Mutter stabil fest. Es bekleidet die Mutter zuverlässig, sodass Mutter und Baby auch bei einem Besuch und im größeren Familienkreis weiter Haut an Haut känguruen können.

Das Bonding-Top wird von Hoppediz, Candide und Didymos angeboten, wobei Didymos zurzeit nur Geburts- und Kinderkliniken beliefert.

Das elastische Tragetuch von der Geburt bis zum 6. Monat

Auch die weichen, elastischen Tragetücher eignen sich zum Känguruen auf nackter Haut. Mutter und Kind tragen nur das Tragetuch. (© Rebdesign)

Auch die weichen, elastischen Tragetücher eignen sich zum Känguruen auf nackter Haut. (© Rebdesign)

Elastische Tragetücher sind für die Herstellung eines direkten Haut-zu-Hautkontaktes und somit zur Förderung der Milchbildung ebenfalls bestens geeignet. Auch sie können bereits direkt von der Geburt an benutzt werden. Ihr Vorteil im Vergleich zum Bonding-Top ist, dass sie auch zum Tragen geeignet sind. So kann die Mutter – sobald sie dazu in der Lage ist – mit dem Baby herumlaufen und das Känguruen auf nackter Haut z.B. auch während der Hausarbeit oder unterwegs fortsetzen. Allerdings gibt es bei den elastischen Tragetüchern in Bezug auf die Qualität große Unterschiede bei den verschiedenen Herstellern. Einige elastische Tragetücher im Handel dehnen sich unter dem Gewicht des Babys stark aus und müssen ständig nachgezogen werden, damit sie noch Halt bieten: Dadurch sind sie nur eine relativ kurze Zeitdauer nach der Geburt brauchbar. Hochwertige elastische Tragetücher bieten bis 9 kg, also etwa bis zum 6. Monat, einen stabilen Halt. Sie haben gleichzeitig einen samtweichen, anschmiegsamen Stoff, der sich – im Gegensatz zu den gewebten, steiferen, unelastischen Tragetüchern – auch auf der nackten Haut von Mutter und Baby angenehm tragen lässt, ohne zu kratzen oder einzuschneiden. Elastische Tragetücher stützen das Baby gleichmäßiger als die gewebten und umgeben es wie eine zweite Haut. Daher sind sie besonders für Neugeborene und auch für Frühgeborene ideal.

Bei der zum Tragen idealen Bindungsweise des Tragetuchs, bei dem das Köpfchen des Babys auf „Kusshöhe“ ist (d.h. die Mutter erreicht mit ihren Lippen den Kopf des Babys) kann das Baby im Tuch nicht direkt gestillt werden. Das Baby muss zum Stillen aus dem Tuch herausgenommen werden – das ist ein Nachteil im Vergleich zum Bonding-Top. Doch, bei elastischen Tragetüchern lässt sich das Baby schnell und einfach aus dem Tuch nehmen und nach dem Stillen relativ einfach wieder zurück ins Tuch stecken.

Wenn die Mutter zu Hause oder im Krankenhaus ist und hauptsächlich sitzt oder liegt, kann sie das Tuch alternativ auch weiter unten binden, sodass das Köpfchen des Babys auf Brusthöhe ist. Diese Höhe ermöglicht das ungehinderte Stillen direkt im Tuch. Das Baby darf allerdings nicht so weit unten hängen, dass die Mutter beim Laufen die Beinchen des Babys nach hinten stößt. Das würde den Gelenken des Babys schaden.

Auch das elastische Tragetuch kann über die nackte Haut wie ein T-Shirt getragen werden. Das Baby kann je nach Bedarf rausgenommen oder wieder eingesetzt werden. Die Mutter ist stets „salonfähig“ angezogen. (© Rebdesign)

Auch das elastische Tragetuch kann über der nackten Haut wie ein T-Shirt getragen werden. (© Rebdesign)

Auch das elastische Tragetuch kann zum Känguruen von Geburt an verwendet werden. Dazu sollte es auf nackter Haut mit nacktem Baby getragen werden. Für Mütter, die auf natürlichem Weg entbinden und kurze Zeit nach der Geburt aufstehen können, lohnt sich ein elastisches Tragetuch möglicherweise eher als das Bonding-Top. Das Bonding-Top ist andererseits für Mütter, die in den ersten Tagen z.B. aufgrund eines Kaiserschnittes nur liegen, besser geeignet, weil es einfacher zum Anziehen ist. Manche Mütter besorgen sich beide und tragen die beiden Tücher abwechselnd, damit das jeweils andere gewaschen werden kann. Natürlich können auch die Väter die Tücher benutzen, sie brauchen evtl. eine andere Größe.

 

Hochwertige elastische Tragetücher bieten u.a. Hoppediz >> oder Manduca >>. Diese sind auch bei Amazon >> erhältlich und kosten ab 45 € zzgl. Versandkosten.


Stillen in weiteren Tragehilfen

Zwar eignen sich das Bonding-Top und hochwertige elastische Tragetücher in besonderer Weise, um den direkten Haut-zu-Haut-Kontakt herzustellen und somit auch die Milchbildung zu unterstützen. Aber alle anderen Tragehilfen fördern ebenfalls die Nähe, den Körperkontakt und unterstützen daher auch das Stillen.

Gewebte Tragetücher

Stillen im gewebten Tragetuch (© lenor)

Stillen im gewebten Tragetuch (© lenor)

Die klassischen gewebten, unelastischen Tragetücher können von Geburt an bis ins Kleinkindalter verwendet werden. Sie sind vielseitig einsetzbar, robust und halten mehrere Kindergenerationen aus. Das Preis-/Leistungsverhältnis ist daher besonders günstig. Zum Känguruen auf nackter Haut sind sie weniger geeignet. Erstens ist ihr relativ steifer, rauher Stoff auf nackter Haut weniger angenehm und hinterlässt Druckstellen, wenn man es nicht absolut perfekt bindet.

© lovelymama

Das Paradies für Babys (© lovelymama)

Bei der üblichen Bindungsweise, wo das Köpfchen auf „Kusshöhe“ ist, ist direktes Stillen nicht möglich, weil das Baby zu weit oben ist. Zum Stillen muss man es aus dem Tuch nehmen. Das Tragetuch kann zur Abdeckung der Brust genutzt werden, wodurch diskretes Stillen überall möglich ist. Weiter unten gebunden kann auch im gewebten Tragetuch direkt gestillt werden. Wie immer darf das Baby jedoch nicht zu weit unten hängen, was zu einer Schädigung der Hüftgelenke führen würde. Die Brust der Mutter wird mit der Hand oder ggf. einer Rolle unter der Brust hochgehoben, damit das Baby mit dem Mund an die Brustwarze herankommt. Ob das Stillen im Tragetuch klappt, hängt zum Teil von der individuellen Anatomie der Brust ab.

Hochwertige gewebte Tragetücher werden vor allem von Didymos und Hoppediz angeboten. Es gibt aber auch weitere, weniger bekannte Marken, wie z.B. Amazonas, die dafür günstiger sind.

Babytragen

Auf dem Markt gibt es in der Zwischenzeit eine riesige Auswahl an Babytragen (z.B. Ergobaby, Manduca, Bondolino, Mei-Tai, der Storchenwiege Babycarrier oder die Ruckeli Babytrage). Ihr Vorteil gegenüber von Tragetüchern ist, dass sie meist einfacher, ohne Bindekenntnisse anzulegen sind. Sie bieten durch Polsterungen außerdem oft einen höheren Tragecomfort, was vor allem bei den schwerer werdenden älteren Babys und Kleinkindern „ins Gewicht fällt“. Das Anlegen des Babys auf dem Rücken ist oft auch einfacher als in den klassischen gewebten Tragetüchern. Meistens eignen sich die Babytragen allerdings eher für ältere Säuglinge, wenn diese schon stabiler sitzen können, da Babytragen meist nicht ganz so gut stützen wie die Tragetücher. Auch der Steg zwischen den Beinchen ist für Neugeborene manchmal zu breit. Zwar werden Babytragen ab der Geburt angeboten (mit oder ohne Einsatz), für die Neugeborenenzeit sind die flexibleren Tragetücher wahrscheinlich die bessere Wahl. Während in den ersten Babytragen die Babys unnatürlicherweise mit dem Gesicht nach vorne schauten, sind die Tragen heutzutage meist so konzipiert, dass das Baby zur tragenden Person hin schaut. Diese Richtung mit der ergonomischen Spreiz-Anhock-Haltung ist günstig für die Hüftentwicklung und beruhigender für die Babys. Auch aus der Sicht des Stillens unterwegs ist das Tragen Richtung Mutter essenziell. In den allermeisten Babytragen ist das Stillen möglich. Wie auch bei den Tragetüchern muss das Baby dafür etwas weiter unten sitzen, damit der Mund auf Brusthöhe ist. Zusätzlich kann das Anheben der Brust nötig sein.

Mutter stillt ihr Baby in einer Babytrage

Mutter stillt ihr Baby in einem Sling (© Svetlana Mihailova)

Der Ring-Sling

Im Ring-Sling können Babys und Kleinkinder seitlich auf der Hüfte oder z.B. zum Stillen auch vorne getragen werden. Der Sling eignet sich eher für kürzere Tragezeiten, da das ganze Gewicht des Babys auf einer Schulter lastet. Der Vorteil des Slings ist, dass er unkompliziert, ruck-zuck angelegt ist. Außerdem können ältere Babys und Kleinkinder besser am Geschehen teilhaben, z.B. beobachten, was die Mama macht. Die Länge des Slings und somit die Sitzhöhe des Babys wird mithilfe von zwei Ringen angepasst und kann einfach verstellt werden. Das Baby kann im Sling auf der Seite, wo es sitzt, sehr einfach gestillt werden.

 

 


Wir danken unserem Kooperationspartner Hoppediz, der uns über die geeignetesten Hilfen zum Känguruen beraten und das Bonding-Top sowie das elastische Tragetuch fürs Fotografieren zur Verfügung gestellt hat.

Des Weiteren bedanken wir uns bei Anja Lohmeier, die uns über das Stillen im Tragetuch fachlich beraten hat. Frau Lohmeier ist Hebamme, Trage- sowie Still- und Laktationsberaterin IBCLC im Raum Hannover und besitzt einen Tragetuchladen.

 


© Dr. Z. Bauer – Publikationen in der Stillförderung. 2003-2017.