Die richtigen Stilleinlagen kaufen

Mutter legt eine Stilleinlage in ihren BH

Die richtigen Stilleinlagen finden (© Wilawan Khasawong)

Stillende Mütter stehen vor der Frage, welche Stilleinlagen für sie die richtigen sind. Denn der Handel bietet eine enorme Vielfalt für verschiedene Situationen: Es gibt Einweg- und waschbare Stilleinlagen aus verschiedenen Materialien, Silikon-Stilleinlagen und schließlich auch Milchauffangschalen. Der Überblick, wann welche Stilleinlagen die richtigen sind, ist schwierig. Dieser Artikel bietet daher eine grundlegende Orientierung in der Welt der Stilleinlagen:  Er kombiniert dabei Gesichtspunkte der Stillberatung mit einer Marktübersicht und berücksichtigt dabei den WHO-Kodex zur Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten.

Inhaltsübersicht:

Der Vorteil von Stilleinlagen

Für die Entscheidung, welche Stilleinlagen die richtigen sind, ist das Verständnis um deren Funktion sehr hilfreich: Stilleinlagen fangen nämlich spontan auslaufende Muttermilch auf. Vor allem während der Stillmahlzeit kann Milchfluss auch an der zweiten Brust einsetzen, an der das Baby gerade nicht trinkt, da der Milchspendereflex an beiden Brüsten ausgelöst wird. Auch außerhalb von Stillmahlzeiten kann aus den Brüsten unkontrolliert Milch auslaufen. Schließlich können nach dem Stillen noch letzte Tropfen Muttermilch an der Brustwarze verbleiben und die Kleidung anfeuchten.

⇒ Stilleinlagen haben die Funktion, die Brustwarzen stets sauber und trocken zu halten, um auf diese Weise das Risiko von wunden / infizierten Brustwarzen sowie einer Brustentzündung (Mastitis) zu reduzieren. Sie schützen auch vor unschönen Flecken auf der Kleidung.

Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die Stilleinlagen sauber und keimfrei sein. Daher sollten die Stilleinlagen regelmäßig gegen frische ausgetauscht werden. Bei starkem Milchfluss werden sie am Tag öfter gewechselt. Aber auch bei geringem Milchfluss sollten sie aus hygienischen Gründen spätestens einmal am Tag ausgetauscht werden, auch wenn sie sich noch trocken anfühlen. Übrigens: Zur Erhaltung der Brustgesundheit empfiehlt es sich zusätzlich zum Tragen von Stilleinlagen, die Brustwarzen regelmäßig ohne Kleidung und Stilleinlagen zu „lüften“.

Um wunden Brustwarzen und Brustinfektionen vorzubeugen, müssen die Stilleinlagen saugfähig und atmungsaktiv sein. Denn verbleibende Feuchtigkeit weicht die Haut der Brustwarzen auf und begünstigt Verletzungen. Hinzukommt noch die Körperwärme der Mutter, wodurch ein feuchtwarmes Milieu entsteht. Dieses Klima begünstigt eine bakterielle oder eine Pilzinfektion (Soor).

Welche Stilleinlagen sind für mich die richtigen?

Welche Stilleinlagen sollte ich mitbringen? (© Tyler Olson)

Welche Stilleinlagen sollte ich mitbringen? (© Tyler Olson)

Bei der Wahl, welche Stilleinlagen die richtigen sind, spielen viele Faktoren eine Rolle, die individuell sehr unterschiedlich ausfallen können. So gibt es bereits in Bezug auf die auslaufende Milchmenge große individuelle Unterschiede: Manche Frauen verlieren beträchtliche Mengen Milch, bei anderen tritt nie ein Tropfen aus. Bei vielen stillenden Müttern läuft Muttermilch außerdem nur in den ersten Wochen/Monaten aus. Die austretende Milchmenge lässt allmählich nach und mit der Zeit können viele vollstillende Mütter zu dünneren Stilleinlagen wechseln oder mit der Zeit sogar komplett auf Stilleinlagen verzichten. Andere stillende Mütter brauchen über lange Zeit hinweg Stilleinlagen mit einem hohen Fassungsvermögen.

Gesichtspunkte bei der Wahl der richtigen Stilleinlagen sind unter anderem folgende: Saugkapazität, Hygiene, Kosten, Sichtbarkeit unter der Kleidung, Halt im BH, sanfte Oberfläche, Müllvermeidung, Pflegeaufwand. Diese Gesichtspunkte werden weiter unten bei den verschiedenen Stilleinlagen-Arten im Detail besprochen.

Logo Stillfreundliche Produkte Kodex-konform kaufen

Bei der Wahl der Stilleinlagen können die Eltern auch die Kodex-Konformität der Anbieter berücksichtigen.

Ein wesentlicher Gesichtspunkt, der bei der Auswahl der Stilleinlagen berücksichtigt werden sollte, ist darüber hinaus die WHO-Kodex-Konformität der Anbieter. Zahlreiche Hersteller von Stilleinlagen produzieren nämlich auch Saugflaschen, Schnuller und mitunter auch Säuglingsnahrung, und verletzen laut IBFAN den WHO-Kodex zur Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten, indem sie ihre Produkte gegenüber den Müttern bewerben und diese mit falschen Informationen in die Irre leiten. Auf diese Weise tragen diese Firmen dazu bei, dass weniger Mütter erfolgreich stillen können. Wenn Eltern bei ihren Einkäufen die Konformität mit dem WHO-Kodex berücksichtigen, wird diese wirtschaftlich belohnt.

⇒ Bei der Auswahl der in diesem Beitrag vorgestellten Stilleinlagen wurden daher nur Produkte von Kodex-konformen Herstellern berücksichtigt.

Einwegstilleinlagen

Der große Vorteil der Einwegstilleinlagen ist deren bequeme und hygienische Entsorgung über den Hausmüll nach dem Gebrauch. Die Kehrseite ist natürlich das höhere Müllaufkommen. Außerdem kosten die Einwegstilleinlagen über die Monate hinweg mehr als die waschbaren.

Einwegstilleinlagen bestehen aus einem weichen Innenvlies für die Innenseite an der Haut, welches die Feuchtigkeit in den Saugkern weiterleitet und die Brustwarze trocken hält. Ein flüssigkeitsabsorbierendes Material bildet den inneren Saugkern. Zur Kleidung hin liegt eine wasserundurchlässige Außenschicht. Fixierstreifen verhindern das Verrutschen.

Manche Fabrikate kleben an den Brustwarzen fest und/oder fusseln. Die mühsame Entfernung dieser Fusseln strapaziert die Brustwarzen und kann auch das Infektionsrisiko erhöhen. Es gibt auf dem Markt viele nicht-fusselnde Angebote (z.B. die unten vorgestellten Produkte).

In der Geburtsklinik sind Einwegstilleinlagen besser geeignet als waschbare. Erstens fehlt im Krankenhaus die Möglichkeit, die Stilleinlagen zu waschen und zu trocknen, zweitens lässt sich durch die Einwegstilleinlagen die Infektionsgefahr im Krankenhaus reduzieren. Übrigens, Geburtskliniken stellen in der Regel Einwegstilleinlagen zu Verfügung. Zu Hause kann man dann die waschbaren Stilleinlagen einsetzen. Diese sind über die lange Sicht günstiger und sparen viel Müll.

Auch bei wunden, offenen Brustwarzen sind Einmalstilleinlagen aus hygienischen Gründen die bessere Wahl. Waschbare Stilleinlagen können eher zu einer Infektion der Brustwarzen führen.

Die meisten am Markt befindlichen Einwegstilleinlagen werden von Firmen angeboten, die als Kodex-verletzend eingestuft werden.

Gute Einwegstilleinlagen von Kodex-konformen Anbietern

Ardo Day and Night Pads

Ardo Einmalstilleinlagen Day and Night
Ardo Day and Night Pads
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Die Ardo Day and Night Pads haben unter den Kodex-konformen Einmalstilleinlagen das größte Speichervolumen und sind somit auch bei starkem Milchfluss gut geeignet. Die Haut bleibt auch noch bei größeren Milchmengen vergleichsweise trocken. Dennoch müssen auch diese Einlagen regelmäßig ausgetauscht werden, damit die Brust immer trocken bleibt. Diese Einmalstilleinlagen bieten auch den zuverlässigsten Auslaufschutz unter den Kodex-konformen Angeboten. Zwei stark klebende Klebestreifen ermöglichen einen sehr stabilen Halt im BH. Durch die Einzelverpackung können die Einlagen hygienisch einzeln mitgenommen werden, es entsteht aber auch mehr Abfall. Es gibt zwei Verpackungsgrößen (30 und 60 Stück).

ELANEE Ultradünne Einmalstilleinlagen

Elanee ultradünne Stilleinlagen
ELANEE Ultradünne Einmalstilleinlagen
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Die Elanee Ultradünnen Stilleinlagen sind insbesondere bei geringem bis mittlerem Milchfluss geeignet: Bei größeren Milchmengen wird die Haut nicht mehr trocken gehalten. Bei geringen Milchmengen sind diese Stilleinlagen aber sehr angenehm an der Haut zu tragen und sind am unauffälligsten unter der Kleidung – durch die ovale Form sind sie auch bei tiefer geschnittenen BHs geeignet. Es gibt nur einen Klebestreifen mit mittlerer Klebefestigkeit. Elanee bietet diese Stilleinlagen in zwei Verpackungsgrößen an (1 x 24 Stück und 3 x 24 Stück).

 

Penaten Pflege Mama Stilleinlagen

Penaten-Stilleinlagen
Penaten Pflege Mama Stilleinlagen
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Auch die Penaten Pflege Mama Einwegstilleinlagen halten die Brustwarzen trocken. Im Vergleich zu den anderen beiden Kodex-konformen Einmalstilleinlagen sind diese Stilleinlagen verhältnismäßig klein und „dick“. Dadurch wirken sie im Vergleich zu den anderen Stilleinlagen, bei denen sich die Milch auf eine größere Fläche verteilt, etwas „klobig“. Für die Brustwarze wurde eine kleine Ausstülpung eingearbeitet, die unter der Kleidung etwas auffallen kann. Es gibt nur einen Klebestreifen mit relativ schwachem Halt im BH. Diese Einlagen sind günstiger als die anderen beiden und in vielen größeren Einkaufsmärkten (Supermärkten, Drogerien) erhältlich. Penaten bietet diese Stilleinlagen in fünf verschiedenen Packungsgrößen an (ein- bis 5-mal 30 Stück ).

Waschbare Stilleinlagen

Waschbare Stilleinlagen vermeiden Müll und sind bei längerem Gebrauch günstiger als die Einmalstilleinlagen, auch wenn die Erstanschaffungskosten zunächst höher ausfallen können. Die meisten Anbieter von waschbaren Stilleinlagen sind Kodex-konform, das Angebot ist riesig. Hier wird eine kleine Auswahl vorgestellt.

Wie viele wiederverwendbare Stilleinlagen besorgt werden sollen, hängt davon ab, wie stark der Milchfluss der Frau ist, wie saugfähig die Einlagen sind und wie oft die Stilleinlagen gewaschen werden können. Drei Paar Stilleinlagen sind das Minimum, mit 6-12 Paar (je nach Milchfluss und Saugkapazität) ist die Frau gut versorgt. Dabei können auch unterschiedliche Sorten verwendet werden.

Waschbare Stilleinlagen werden aus einer Reihe unterschiedlicher Materialien hergestellt. Seit jeher gelten Naturfasern (Seide, Wolle und Baumwolle) aufgrund ihrer guten Hautfreundlichkeit und Atmungsaktivität als die idealen Materialien für Stilleinlagen. Den Naturfasern Seide und Wolle werden darüber hinaus heilungsfördernde Eigenschaften zugesprochen. In letzter Zeit werden außerdem zunehmend moderne, atmungsaktive Kunstfasern eingesetzt, was die Stilleinlagen robuster und pflegeleichter macht und die Wäsche besser schützt.

Stilleinlagen aus reinen Naturfasern

Stilleinlagen aus Wolle und Seide werden bei gereizten, rissigen oder wunden Brustwarzen empfohlen, weil ihnen traditionell heilungsfördernde Eigenschaften zugesprochen werden. Allerdings kommen bei empfindlichen Personen auch allergische Reaktionen gegen diese Naturmaterialien vor. Baumwolle ist ein weiteres hautfreundliches und pflegeleichtes Naturmaterial, das in Stilleinlagen häufig eingesetzt wird.

Wolle saugt viel Feuchtigkeit auf ohne sich feucht anzufühlen. Zudem enthält sie Lanolin – das Wollfett, dem hautpflegende und entzündungshemmende Eigenschaften zugesprochen werden. Gegen Lanolin entwickeln manche Menschen allerdings Allergien. Für Woll-Stilleinlagen muss ein intensiver Pflegeaufwand in Kauf genommen werden: Sie dürfen nicht mit der Maschine gewaschen werden, da sie in der Maschine einschrumpfen und das pflegende Wollfett verlieren. Um an Wollstilleinlagen lange Freude zu haben, müssen diese vorsichtig – ohne Rubbeln oder Scheuern – per Hand durch sanftes Drücken und mit speziellem Wollwaschmittel (z.B. mit Disana Wollshampoo) gereinigt werden. Die Wassertemperatur darf 30°C nicht überschreiten (ggf. mit Badethermometer nachprüfen), sonst laufen die Einlagen für immer ein. Zum Trocknen werden die Stilleinlagen in einem sauberen Frotteehandtuch vorsichtig ausgedrückt und an einem schattigen, gut durchlüfteten Ort zum Trocknen hingelegt. Für das Trocknen sollte mindestens ein Tag eingeplant werden.

Auch Seide werden heilungsfördernde Eigenschaften zugesprochen. Sie hat zudem den Vorteil, das Wachstum von Keimen nicht zu begünstigen. Sie kühlt bei wunden Brustwarzen und ist besonders luftdurchlässig. Bei Stilleinlagen wird vor allem Bourette-Seide eingesetzt, welche besonders viele antimikrobielle Stoffe enthält. Seide nimmt kaum Feuchtigkeit auf und fühlt sich trocken an. Seide ist empfindlich gegen hohe Temperaturen und geht beim Waschen leicht ein.

Seide-WolleStilleinlagen: Für die meisten herkömmlichen Stilleinlagen aus Naturfasern werden Wolle und Seide kombiniert.

Zweilagige Seide-Wolle-Stilleinlagen

Elanee
Elanee Seide-Wolle-Stilleinlagen
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ImseVimse
Imse Vimse Stilleinlagen
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Medesign
Medesign Stilleinlagen
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Die meisten im Handel erhältlichen Seide-Wolle-Stilleinlagen haben nur eine äußere Wolle- und eine innere Seidenschicht. Die Wollschicht ist zuständig für die Flüssigkeitsabsorption. Die Seidenschicht leitet die Feuchtigkeit an die Wollschicht weiter und hält die Brustwarze trocken. Diese zweilagigen Seide-Wolle-Stilleinlagen reichen nur für den geringen bis mittleren Milchfluss, bei stärkerem Milchfluss werden andere Einlagen benötigt. Manche Hersteller (z.B. ImseVimse) bieten verschiedene Größen an. Die kleineren Einlagen tragen etwas weniger auf, können aber nur weniger Milch absorbieren. ImseVimse bietet die größten Einlagen in „Tröpfchenform“ an, damit sie in den BH passen.

Alle Seide-Wolle-Stilleinlagen haben eine flache Form und sind unter der Kleidung sichtbar.

Dreilagige Wolle/Wolle/Seide-Stilleinlagen

Elanee
Medesign
 Elanee Seide-Wolle-Wolle Stilleinlagen  Medesign Stilleinlagen
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Die dreilagigen Wolle/Wolle/Seide-Stilleinlagen erhöhen durch die doppelte Wollschicht die Saugkapazität. Diese Einlagen sind somit für den stärkeren Milchfluss und nachts besser geeignet. Das Angebot an dreilagigen Stilleinlagen ist bereits deutlich kleiner als an zweilagigen.

Da sie unter der Kleidung stark auftragen, werden diese dickeren Stilleinlagen vor allem zu Hause und nachts verwendet.

Dreilagige Seide/Wolle/Seide-Stilleinlagen

Medesign
Disana
 Medesign Stilleinlagen  Disana Seide-Wolle-Seide-Stilleinlagen
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Die dreilagigen Seide/Wolle/Seide-Stilleinlagen eignen sich für den geringen bis mittleren Milchfluss. Die äußere Seidenschicht verbessert den Wäscheschutz. Die Seide auf beiden Seiten leitet die Flüssigkeit in den mittleren Wollkern weiter und verhindert so, dass Feuchtigkeit auf der Brust verbleibt oder auf der Kleidung Milchflecken entstehen. Die beiden Seide-Lagen sind austauschbar und somit können diese Stilleinlagen beidseitig getragen werden. Disana bietet ihre Seide/Wolle/Seide-Stilleinlagen in zwei Durchmessern an.

Seide bietet keinen so zuverlässigen Wäscheschutz wie die wasserundurchlässigen Kunstfasern (siehe unten), aber dafür ist die hohe Atmungsaktivität der reinen Naturfasern garantiert.

Stilleinlagen aus Baumwolle

Einlagen aus Baumwolle sind hautfreundlich, atmungsaktiv, vergleichsweise robust und pflegeleicht: Sie sind Waschmaschinen- und Trockner-geeignet. Für Mütter, denen der Pflegeaufwand bei Seide/Wolle-Stilleinlagen zu hoch ist, können diese pflegeleichteren Baumwolleinlagen nutzen. Ein weiterer Vorteil ist, dass Baumwolleinlagen auch im Kochwaschgang gewaschen werden können. Durch diese hohen Temperaturen werden Keime abgetötet. Auch bei Unverträglichkeit gegen Wolle oder Seide kommen Einlagen aus Baumwolle infrage.

Baumwolleinlagen haben allerdings auch eine Reihe Nachteile. So müssen sie bei stärker auslaufender Brust recht häufig gewechselt werden, weil auch bei ihnen die Gefahr des Keimwachstums besteht. Außerdem fühlt sich mit Milch vollgesogene Baumwolle auf der Haut feucht und kalt an und sie neigt dazu, an der Brustwarze zu kleben. Baumwolleinlagen können ihre Weichheit und Saugfähigkeit mit der Zeit und insbesondere durch häufige Waschgänge außerdem einbüßen. Weichspüler dürfen jedoch nicht verwendet werden.

Baumwolle wird häufig mit anderen Materialien kombiniert, weil eine reine Baumwollschicht bei stärkerem Milchfluss keine ausreichende Feuchtigkeitsbarriere darstellt und nicht zuverlässig vor nasser Kleidung schützt. Reine Baumwolleinlagen eignen sich am besten, um einzelne Tröpfchen aufzufangen, z.B. wenn die Brust nach dem Stillen noch feucht ist und die Mutter sich anziehen möchte. Auch bei einer bakteriellen oder einer Soor-Infektion der Brustwarzen werden sie eingesetzt, weil sie im Kochwaschgang hygienisch gereinigt werden können. In diesem Fall brauchen die Mütter viele Stilleinlagen (z.B. 12), um sie nach jedem Stillen und bei Bedarf auch zwischendurch zu wechseln.

Beispiele für Baumwollstilleinlagen

ImseVimse
Elanee
Medesign
 Imse Vimse Biobaumwolle Stilleinlagen  Elanee Molton-Stilleinlagen  Medesign Molton
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Baumwollstilleinlagen können als hygienische innere Einlage zum Auskochen in Kombination mit weiteren Einlagen verwendet werden, die nicht ausgekocht werden dürfen, aber besser vor Durchnässen schützen (z.B. bei Imse Vimse). Einlagen aus Molton – eine aufgeraute Form von Baumwolle mit erhöhter Saugkapazität – können auch allein getragen werden (z.B. bei Medesign). Auch diese müssen je nach Milchfluss häufig gewechselt werden. Die Baumwolleinlagen von Elanee haben drei, die von Medesign zwei Moltonschichten.

Stilleinlagen mit atmungsaktiven Kunstfasern

Um die Eigenschaften von waschbaren Stilleinlagen zu verbessern, werden herkömmliche Naturmaterialien mit modernen Kunstfasern kombiniert. Die Kunstfasern dienen in erster Linie der Verbesserung des Wäscheschutzes, damit die Kleidung auch bei stärkerem Milchfluss trocken bleibt. Wasserundurchlässige, aber atmungsaktive Mikrofaser und Polyurethan-Beschichtungen verhindern, dass Milchflecken auf der Kleidung entstehen, lassen aber den Feuchtigkeitsdampf entweichen. Die meisten Stilleinlagen mit Kunstfasern werden mit Baumwolle auf der Innenseite kombiniert. Diese Baumwoll-Kunstfaser-Kombinationen können in der Maschine bei 60 oder 90 °C mitgewaschen werden und trocknen schnell. Weichspüler dürfen allerdings auch bei diesen Stilleinlagen nicht benutzt werden.

Ob Stilleinlagen mit Kunstfasern genauso atmungsaktiv sind wie die aus reinen Naturfasern, ist ungewiss. Die Atmungsaktivität kann sehr unterschiedlich ausfallen und hängt von den eingesetzten Materialien sowie vom Herstellungsverfahren ab.

Beispiele für Baumwolle-Kunstfaser-Stilleinlagen:

Disana
Medesign
Elanee
Disana Microfaser-Stilleinlagen Medesign Baumwoll-Mikrofaser Elanee Wäscheschutz Stilleinlagen
 Amazon-Button  Amazon-Button  erhältlich z.B. beim Müller Drogeriemarkt

Baumwoll-Kunstfaser-Stilleinlagen sind pflegeleicht, bieten im Vergleich zu reinen Baumwoll-Stilleinlagen einen verbesserten Wäscheschutz für den stärkeren Milchfluss und lassen sich im Falle von bakteriellen oder Soor-Infektionen auch im Kochwaschgang waschen. Disana Mikrofaser natur Stilleinlagen (in zwei Größen erhältlich) und Medesign Baumwolle-Mikrofaser-Stilleinlagen haben eine innere Baumwoll- und eine äußere Mikrofaser-Schicht. Die Elanee-Wäscheschutz-Stilleinlagen bestehen aus drei Schichten: aus einer inneren Baumwoll-Molton-Schicht, einem Saugkern aus Vlies und einer äußeren Polyester-Schicht, welche mit einer Polyurethan-Membran beschichtet ist.

Imse Vimse Stay Dry ist die Lieblings-Stilleinlage vieler Mütter. Sie ist geeignet für Frauen mit gesunden Brustwarzen und stärkerem Milchfluss. Sie enthält oberhalb der Baumwollschicht eine weiche, flauschige Polyesterschicht. Diese leitet die Feuchtigkeit an den Saugkern aus Baumwolle weiter und fühlt sich auch dann noch trocken an, wenn der Kern bereits viel Milch aufgesogen hat. Das ist ein Vorteil zu anderen Baumwoll-Stilleinlagen, die sich kalt und feucht anfühlen, wenn sie Milch aufgesaugt haben.

 Weiß
 Schwarz  Pink
 Imse Vimse Stay Dry Stilleinlagen Imse Vimse Stay Dry Schwarz Imse Vimse Stay Dry Pink
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Die Stay Dry Stilleinlagen gibt es neben Weiß auch in Schwarz und in Pink, damit sie unter dunkler/rosa Kleidung nicht auffallen. In der klassischen Stillberatung werden gefärbte Stilleinlagen nicht empfohlen, da Farbstoffe die Brustwarzen reizen können. Allerdings erfolgt eine Färbung bei modernen Kunstfasern anders als bei herkömmlichen Naturfasern. Es ist nicht damit zu rechnen, dass die Farbe mit den Brustwarzen in Berührung kommt. Die ImseVimse-Stilleinlagen haben eine flache Form. Viele Mütter bemängeln, dass diese Einlagen im BH „Wellen schlagen“.

Kunstfaser mit Seide/Wolle kombiniert

Seide/Wolle/Mikrofaser
 Medesign Seide Wolle Mikrofaser
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Medesign bietet auch eine Seide/Wolle-Stilleinlage mit Mikrofaser an. Diese Stilleinlagen sind am besten für Frauen geeignet, die auf die heilungsfördernden Eigenschaften von Wolle und Seide Wert legen, aufgrund des stärkeren Milchflusses jedoch einen verbesserten Wäscheschutz brauchen. Diese Einlagen (flache Form, 14 cm) müssen per Hand und mit Wollshampoo gewaschen werden.

Silikon-Stilleinlagen

ARDO Lily­Padz Thera­line Mam­ma Pads
Ardo LilyPadz die geniale Stilleinlage Theraline Silikon-Stilleinlagen
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Stilleinlagen aus Silikon saugen die Muttermilch nicht auf, sondern verhindern ihr Austreten, in dem sie Druck auf die Brustwarzen ausüben. Auf diese Weise wird der Milchspendereflex unterdrückt. Silikon-Stilleinlagen sind auch unter enger Kleidung fast unsichtbar, selbsthaftend, wasserfest und trotzdem atmungsaktiv. Diese Vorteile bestimmten auch ihren Einsatz. Sie sind sehr praktisch beim Schwimmen und anderen Sportarten und wenn die Mutter ihre Stilleinlagen auch unter enger Kleidung unauffällig tragen möchte. Manche Mütter benutzen sie auch für den alltäglichen Gebrauch und insbesondere nachts, damit sie ohne BH schlafen können.

Damit die Einlagen einen sicheren Auslaufschutz bieten, müssen die Frauen darauf achten, dass beim Anbringen die Brustwarzen wirklich sanft eingedrückt werden. Die Silikon-Stilleinlagen sind nicht für alle Mütter gleichermaßen geeignet. Bei Frauen mit flacheren Brustwarzen kann der Milchspendereflex nicht zuverlässig unterdrückt werden. Für diese Frauen eignen sich herkömmliche Stilleinlagen besser.

Sobald sich Schweiß oder Milch unter den Silikon-Stilleinlagen sammelt, sollten diese ausgetauscht werden. Feuchtigkeit unter den Einlagen verringert deren selbsthaftende Eigenschaft und weicht die Haut der Brustwarzen auf. Daher sollten die Stilleinlagen regelmäßig gewechselt und gereinigt werden. Für die Reinigung sollte laut Hersteller keine Flüssigseife verwendet werden, weil diese rückfettende Substanzen enthält, die die Haftbarkeit der Einlagen in kurzer Zeit vermindern. Die Einlagen müssen nach jedem Gebrauch mit einem pH-neutralen, fettlösenden Geschirrspülmittel und heißem Wasser abgespült werden, und zwar ohne Reiben und anschließendes Trocknenrubbeln, damit die Poren nicht verstopfen. Bei der richtigen Pflege bewahren die Silikon-Stilleinlagen ihre selbsthaftende Eigenschaft mehrere Wochen bis Monate.

Silikon-Stilleinlagen werden gegenwärtig von Ardo (Lily­Padz – die geniale Stilleinlage) und Thera­line (Mam­ma Pads – die kluge Silikonstilleinlage) angeboten. Ardo hat in einer Studie mit 68 stillenden Müttern die Sicherheit der LilyPadz-Stilleinlagen im Vergleich zu herkömmlichen Stilleinlagen untersucht, die die Mütter sonst verwendeten. In der Studie wurde die Häufigkeit von verschiedenen Stillproblemen in den beiden Vergleichsgruppen (Brustentzündung, Soor, Milchstau, Verletzung der Brustwarze, Milch-Unter- und Überproduktion) untersucht. Die genannten Stillprobleme traten in der Gruppe der Silikon-Stilleinlagen nicht häufiger auf als in der Vergleichsgruppe. Infektionen, Milchstau und eine Überproduktion von Muttermilch traten in der Gruppe der LilyPadz -Stilleinlagen sogar deutlich seltener auf als bei herkömmlichen Stilleinlagen. Die Autoren schlussfolgerten, dass die LilyPadz-Stilleinlagen sicher sind und möglicherweise sogar zur Reduktion von bestimmten Stillproblemen führen können.

Milchauffangschalen – ein Stillhilfsmittel mit zweifelhaftem Nutzen

Brustauffangschale

Milchauffangschale (© Fotolia, Juan Aunion)

Manche stillenden Frauen mit starkem Milchfluss haben die Erfahrung gemacht, dass gewöhnliche Stilleinlagen nicht ausreichend vor nassen Flecken schützen, und entscheiden sich für die so genannten Milchauffangschalen. Einige Mütter sind außerdem davon begeistert, dass man in den Milchauffangschalen die austretende Milch sammeln kann. Sie nutzen die gesammelte Milch für das Badewasser oder verfüttern sie sogar an ihr Baby. Die Mütter freuen sich darüber, dass die wertvolle Muttermilch nicht verschwendet wird. All diese vermeintlichen Vorteile, die auch von den Herstellern angepriesen werden, sind allerdings fraglich. Milchauffangschalen werden in der Stillberatung nicht mehr empfohlen.

Warum Milchauffangschalen als Stilleinlagen-Ersatz nicht sinnvoll sind:

  • Milchauffangschalen üben im BH einen leichten Druck auf den Brustwarzenhof aus und lassen die Brustwarzen stärker hervortreten. Dies verstärkt das Austreten der Muttermilch. Die Mutter verliert durch das Tragen dieser Schalen also mehr Milch als ohne.
  • Wenn die Schalen auch zwischen den Stillmahlzeiten ständig getragen werden, entsteht durch die austretende Milch ein feuchtwarmes Klima, wodurch die Brustwarzen wund werden können. Das Risiko einer Infektion erhöht sich. Werden durch die Schalen Milchkanäle abgedrückt, können zudem Stauungen entstehen. Dies ist vor allem in engen BHs ein Problem.
  • Wenn diese keimhaltige Milch auch noch ans Baby verfüttert wird, kann das Baby krank werden. Auch die Hersteller empfehlen daher, zwischen den Mahlzeiten gesammelte Milch zu entsorgen und nur die Milch zu verfüttern, die während der Stillmahlzeit aus der zweiten Brust ausgetreten ist. Wird die gesammelte Milch dem Baby gegeben, muss die Schale vorher sehr gründlich gereinigt und ggf. auch ausgekocht werden. Doch, es ist keine stillfreundliche Praxis, routinemäßig Milch aufzufangen und sie dann mit künstlichen Methoden ans Baby zu verfüttern. Vor allem in der Anfangszeit nach der Geburt, wenn verhältnismäßig viel Milch unwillkürlich ausläuft, ist es besonders wichtig, dass das Baby ausschließlich an der Brust und zwar ohne künstliche Fütterungsmethoden ernährt wird. Jede künstliche Fütterung – auch mit Muttermilch – kann sich nachteilig aufs Stillen auswirken. Außerdem kann die Zusammensetzung der Milch in den Schalen anders sein als aus der Brust. Denn die Milch spritzt vor allem am Anfang der Stillmahlzeit aus der zweiten Brust – wenn die wässrige Vordermilch gebildet wird. So kann es vorkommen, dass das Baby nicht in den Genuss der wertvollen Hintermilch kommt. Die beste Muttermilch ist eben diejenige, die das Baby direkt aus der Brust trinkt.

Alternativen für Frauen mit starkem Milchfluss

Frauen, bei denen viel Milch ausläuft, können beim Einsetzen des Milchspendereflexes – z.B. am Anfang der Stillmahlzeit – mit ihrem Handballen wenige Sekunden gegen ihre Brustwarze drücken. Durch das sanfte Eindrücken der Brustwarze kann man das Spritzen der Milch unterbinden. Auch das Verschränken der Arme vor der Brust ist eine häufige Methode. Heruntertropfende Milch kann z.B. mit einem Frotteehandtuch oder einem Moltonwindel aufgefangen werden.

Häufiges Stillen und insbesondere Stillen nach Bedarf rund um die Uhr ist hilfreich gegen exzessiven Milchfluss. Für Zwischendurch helfen Stilleinlagen mit hoher Saugkapazität, wie z.B. die Ardo Day and Night Pads. Es ist gut zu wissen, dass dieser starke Milchfluss nur vorübergehend ist und mit der Zeit nachlässt.


© Dr. Z. Bauer – Publikationen in der Stillförderung. 2003-2017.