Anschaffungsliste für die Stillzeit

Schwangere Frau bei ihren Besorgungen

Habe ich alles? (© halfpoint)

Vor allem schwangere Frauen fragen sich, was sie sich für die Zeit nach der Geburt besorgen sollten, damit auch fürs Stillen alles vorhanden ist. Eigentlich muss man fürs Stillen nicht viel ausgeben. Es spart für die Familie im Vergleich zur künstlichen Säuglingsernährung etwa 1400 Euro im ersten Lebensjahr ein. Aber in Verbindung mit unserer modernen Zivilisation gibt es Anschaffungen, die man als stillende Mutter in der Regel tätigen muss. Auch bei anderen Anschaffungen für das neue Familienmitglied – vor allem bei der Auswahl der geeigneten Schlafstätte – sollte Stillen berücksichtigt werden. Darüber hinaus gibt es Produkte, die in speziellen Still-Situationen hilfreich sind.

Die Grundausstattung für das Stillen

Es gibt ein paar Utensilien, die praktisch alle stillenden Mütter brauchen. Es macht Sinn, diese bereits vor der Geburt zu besorgen.

  • Buchcover Stillen - Einfühlsame Begleitung durch alle Phasen der StillzeitGute Bücher: Die Literatur über den Umgang mit dem Säugling ist riesig und es gibt viele guten Bücher. Allerdings kann man auch Pech haben und Bücher mit zweifelhaften Empfehlungen erwischen. Gute Stillbücher bzw. Bücher um die Säuglingspflege herum können eine Menge dazu beitragen, die Stillzeit erfolgreich zu meistern (siehe auch unsere Buchempfehlungen). Wenn man sie bereits während der Schwangerschaft liest, weiß man über die Grundlagen des Stillens rechtzeitig Bescheid – auch wenn man in der Entbindungsklinik keine optimale Unterstützung erhält. In den Stillgruppen können sinnvolle und gute Bücher kostenlos ausgeliehen werden. Zumindest ein gutes Stillbuch (z.B. von Márta Guóth-Gumberger und Elisabeth Hormann) gehört in den Klinikkoffer, damit man dort bei Fragen und Unsicherheiten direkt nachschlagen kann. Nicht immer steht im Krankenhaus eine Krankenschwester oder Hebamme zur Verfügung und nicht alle sind in der Stillberatung ausreichend geschult.
  • StilleinlagenStilleinlagen: Bei den meisten (aber nicht allen) stillenden Müttern tritt während der Stillmahlzeit Milch aus der Brust aus, an der gerade nicht gestillt wird. Denn der Milchspendereflex, der beim Saugen durch das Kind ausgelöst wird, wirkt an beiden Brüsten. Auch zwischen den Stillmalzeiten kann Milch aus der Brust spontan austreten. Stilleinlagen halten die Brustwarzen, die Kleidung und die Bettwäsche trocken. Fast alle stillenden Mütter brauchen Stilleinlagen, vor allem in den ersten Monaten der Stillzeit. Später bleiben viele stillenden Mütter trocken und können auf Stilleinlagen verzichten. Es ist sinnvoll, Stilleinlagen zur Geburt mit ins Krankenhaus zu nehmen. Einmalstilleinlagen sind fürs Krankenhaus aus hygienischen Gründen besser geeignet (dort werden viele krankheitserregende Keime übertragen). Zu Hause können dann waschbare Stilleinlagen verwendet werden. Siehe auch unseren Artikel Die richtigen Stilleinlagen kaufen.
  • Mutter stillt in Still-BHStill-BHs: Alle Frauen, die ohne BH das Haus nicht verlassen, brauchen für die Stillzeit eigene Still-BHs. Aber selbst diejenigen, die normalerweise auch ohne BH glücklich sind, brauchen etwas, um die Stilleinlagen festzuhalten. Vor allem am Anfang der Stillzeit braucht man einen BH, der 1-3 Nummern größer ist als vor der Geburt. Die vordere Öffnung von Still-BHs erleichtert den Zugang zur Brust, ohne dass man sich dafür immer wieder komplett entkleiden muss. Außerdem lassen sich Still-BHs mit einer Hand öffnen, während man mit der anderen Hand das Baby hält. Leider kann niemand vorhersagen, welche BH-Größe eine Frau nach der Geburt haben wird – zu groß sind die individuellen Unterschiede. Vor allem für die ersten Tage und Wochen nach der Geburt haben sich elastische „seamless“ Still-Bustiers bewährt, die sich flexibel an die sich ständig verändernde Brustgröße und den abnehmenden Bauchumfang anpassen (z.B. von Bravado, Anita, Carriwell oder Emma Jane). Später, wenn sich die stillende Brust nicht mehr so stark verändert, können auch Still-BHs mit vorgeformten Cups und Bügeln getragen werden. Es ist aber wichtig, dass der BH nirgendwo drückt oder einschneidet. Wenn Milchgänge abgedrückt werden, kann ein Milchstau entstehen.
  • Mehrere Matratzen nebeneinander auf HolzgestellStillfreundliche Schlafeinrichtung: Bei der Entscheidung, wo das Baby schläft, sollte Stillen unbedingt berücksichtigt werden. Herkömmliche Gitterbetten sind ein Hindernis fürs Stillen. Bei einer stillfreundlichen Schlafeinrichtung liegen Mutter und Kind in unmittelbarer Nähe und können nachts ungehindert stillen, ohne dass die Mutter dafür extra aufstehen muss. Siehe zum Thema auch den Artikel Stillen in der Nacht.
  • Mulltücher: Viele Babys machen Bäuerchen und spucken dabei mehr oder weniger Milch. Mulltücher oder sonstige Stoffwindeln oder Frottehandtücher fangen die ausgespuckte Milch auf und halten Kleidung, Bettwäsche und Möbel sauber.

Produkte, die das Stillen erleichtern

Einige Produkte sind fürs Stillen nicht unbedingt essenziell, aber sie erleichtern den Stillalltag:

  • Die Mutter stützt mit ihrer Hand die Brust im C-Griff.Stillkissen: Stillkissen sind kein absolutes Muss für die Stillzeit, aber vor allem in den ersten Wochen helfen sie das noch sehr hilflose Baby beim Stillen an der Brust richtig zu positionieren. Je nach Anatomie der Mutter (Körpergröße, Lage und Größe der Brust usw.) können Stillkissen eine große Hilfe darstellen. Auf dem Markt gibt es im Wesentlichen drei Stilkissenmodelle mit verschiedenen Vor- und Nachteilen (siehe unseren Artikel Welches Stillkissen ist sinnvoll?).
  • Milchshake Stillkleid Marinelook BrustzugangStill-Kleidung, die den direkten Zugang zur Brust ermöglicht, ohne sich dafür immer ausziehen zu müssen, ist sehr praktisch. Denn normale T-Shirts muss man zum Stillen ganz hoch ziehen, sodass man einen nackten Bauch und einen halbnackten Rücken bekommt. Man friert schnell an diesen Stellen und vielen Frauen ist es etwas unangenehm, wenn sie in Gesellschaft oder sogar in der Öffentlichkeit ihren nackten Bauch oder Rücken zeigen müssen. Mit spezieller Stillkleidung kann man überall bequem stillen ohne sich zu sehr entblößen zu müssen. Für Frauen, die gerne Kleider tragen, sind eigene Still-Kleider besonders wichtig. Auch für die Nacht sind Pyjamas und Nachthemden mit einfachem Zugang zur Brust hilfreich, um nachts nicht frieren zu müssen oder sich nicht für jede Stillmalzeit umständlich auf- und zuknöpfen zu müssen. Eigene Stillkleidung ist natürlich kein Muss, es geht sicherlich auch ohne. Eine kleine Garnitur reicht in der Regel aus.
  • Baby stillt im TragetuchTragetücher: Tragetücher sind natürlich nicht unbedingt erforderlich, um erfolgreich stillen zu können, aber sie sind durchaus hilfreich. Denn viel Körperkontakt und insbesondere viel Hautkontakt stimuliert die Milchbildung. Durch die Nähe lernt die Mutter die Bedürfnisse des Babys schnell kennen und kann auf sie unmittelbar reagieren und auf diese Weise erfolgreicher nach Bedarf stillen. Siehe unseren Artikel Mit Tragetüchern die Milchbildung fördern.

Produkte für besondere Still-Situationen

Einige Stillhilfsmittel braucht nur ein Teil der stillenden Mütter für bestimmte Situationen. Sie müssen nicht von allen schwangeren Frauen mit Stillabsicht besorgt werden. Es ist aber gut zu wissen, dass es sie gibt. Bei Bedarf kann man zu einem späteren Zeitpunkt das für sich richtige Produkt aussuchen.

  • BrustkompresseBrustpflegeprodukte: Falls Probleme auftauchen sollten (wunde Brustwarzen, Milchstau oder Brustentzündung), stellen Brustpflegeprodukte eine unterstützende Maßnahme dar. Lanolin-Salben werden bei trockenen, gereizten bis wunden Brustwarzen angewendet, Kühl-Kompressen sowie Quarkwickel bei einer übermäßigen initialen Brustdrüsenschwellung, bei einem Milchstau und einer Brustentzündung. Lanolin-Salben sollten nicht prophylaktisch, sondern erst bei aufgetretenen Problemen mit den Brustwarzen aufgetragen werden (nur dünn!), da sich Allergien gegen Lanolin sowohl bei der Mutter als auch beim Kind entwickeln können. Kühlkompressen bringen häufig Hebammen mit, auch viele Apotheken haben Kompressen für die Brust vorrätig. Quarckwickel kann man selber machen oder fertig kaufen.
  • Mutter beim Abpumpen von MuttermilchMilchpumpen: Frauen, die nicht die Möglichkeit hatten, die Handgewinnung von Muttermilch zu erlernen (s. Lehrfilm), können mit einer einfachen Handpumpe für einen Vorrat Milch gewinnen oder ihre Brust bei Bedarf entleeren. Wenn eine Frau längere Zeit von ihrem Säugling getrennt ist, braucht sie eine hochwertige elektrische Milchpumpe (siehe unsere Artikel über Abpumpen und Aufbewahren von Muttermilch und Milchpumpen Kodex-konform wählen).
  • AufbewahrungsbeutelMuttermilchaufbewahrungsbehälter: Falls man einen Vorrat an Muttermilch anlegen möchte, gibt es eigens dafür entwickelte Behälter: Beutel oder feste Behälter. Sie bestehen aus einem Lebensmittel-tauglichen, unschädlichen Material, sind durchsichtig, (wieder)verschließbar und mit einer Markierung ausgestattet, damit man die Muttermilchmenge ablesen kann.
  • StillstolaStillabdeckungen: Um überall und vollkommen diskret stillen zu können, kann (ggf. zusätzlich zur Stillkleidung) eine Stillabdeckung zum Einsatz kommen. Denn manche Frauen fühlen sich wohler, wenn ihre Brust in Gesellschaft oder in der Öffentlichkeit auch beim Stillen vollkommen bedeckt bleibt. In der Regel können diese Abdeckungen, die mal als Stillschal, mal als Stillstola, mal als Stilltuch bezeichnet werden, als modisches Accessoire getragen werden.
  • StillketteStillketten: Ab dem zweiten Halbjahr oder dem ersten Geburtstag neigen manche Babys und Kleinkinder dazu, während des Stillens mit der Brustwarze der Mutter, ihrer teuren Kette oder Kleidung zu spielen. Stillketten lenken die Kleinen ab und beschäftigen sie während der Stillmahlzeit bzw. des Nuckelns. Manche Mütter finden Stillketten hilfreich, die meisten brauchen sie nie.

Was man für die Stillzeit nicht braucht

Häufig tätigen schwangere Frauen oder ihre Angehörigen auch überflüssige Anschaffungen vor der Geburt. Zu diesen gehören unter anderem Stilltees. Stilltees richten zwar keinen Schaden an und dürfen getrunken werden, wenn sie der Mutter schmecken. Sie helfen allerdings nicht, die Milchbildung zu steigern. Es gibt zwar pflanzliche und medikamentöse Substanzen, die die Milchbildung anregen, diese sollten jedoch nur unter professioneller Anleitung eingenommen werden. Auch spezielle Stillöle müssen nicht extra gekauft werden. Man kann für eine Brustmassage jede Körpermilch oder auch normales Haushaltsöl verwenden. Es spricht nichts dagegen ein Stillöl zu nehmen, wer es mag, aber es wirkt nicht milchbildungssteigernd.

Auch Babywaagen gehören nicht zur regulären Ausstattung in der Stillzeit. In aller Regel reicht es, wenn die Nachsorgehebamme und der Kinderarzt bei den Nachsorge- / Vorsorgeuntersuchungen das Baby wiegen. Zu häufiges Wiegen und Kontrollieren durch die Eltern zu Hause kann die Mutter in ihrer Stillfähigkeit sogar verunsichern. Es gibt seltene Situationen, in denen das Baby regelmäßig gewogen werden muss, aber auch dann kann man Babywaagen günstig in der Apotheke leihen.

In der Stillzeit braucht man in aller Regel keine Saugflaschen. Falls aus irgendwelchen Gründen Säuglingsmilch vorübergehend zugefüttert werden sollte, geschieht dies idealerweise an der Brust ohne Saugflaschen. Stillfreundliche Zufütterungstechniken werden im Artikel „Abpumpen, Aufbewahren und Füttern von Muttermilch“ ausführlich vorgestellt (im unteren Drittel). Auch Schnuller brauchen vor der Geburt nicht besorgt zu werden. Schnuller sind bei gestillten Kindern überflüssig und wirken sich sogar nachteilig aufs Stillen aus, vor allem, wenn das Baby in den ersten Tagen und Wochen – wenn es noch das Stillen kennenlernt und die Brust die Milchbildung aufbaut – exzessiv am Schnuller saugt. Das Saugbedürfnis des Babys sollte möglichst an der Brust und nicht am Schnuller befriedigt werden. Wenn das Baby weint, sollte es in erster Linie durch Stillen, Hautkontakt und Tragen beruhigt werden, und nicht mit dem Schnuller. Gelegentlich können Schnuller sinnvoll eingesetzt werden, z.B. um ein weinendes Baby im Auto zu beruhigen, wo kein Stillen möglich ist.

In der Stillzeit braucht man in aller Regel auch keinen Flaschenwärmer und keinen Sterilisator. Diese Utensilien braucht man nur, wenn das Baby mit Säuglingsmilch gefüttert werden muss und sind bei gestillten Babys in aller Regel überflüssig. Auch die teuren, so genannten „Neugeborenen-Starter-Sets“, die aus einem Flaschen- und Schnullersortiment mit oder ohne Milchpumpe bestehen und als Marketing-Trick einzustufen sind, sollten nicht gekauft und auch nicht verschenkt werden, es sei denn, das Baby soll mit Sicherheit nicht gestillt werden. Solche Marketing-Praktiken der Firmen verletzen den WHO-Kodex zur Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten und wirken sich negativ aufs Stillen in der Bevölkerung aus.

Für die Stillzeit braucht man in aller Regel auch keine künstliche Säuglingsnahrung. Die allermeisten Mütter können ihre Babys voll stillen, wenn sie ihr Baby rund um die Uhr häufig, nach Bedarf anlegen (siehe auch unsere Artikel-Serie „Der Stillbeginn“ ). In seltenen Fällen liegen Erkrankungen der Mutter vor, die ein (ausschließliches) Stillen verhindern (siehe auch den Artikel „Wer (nicht) stillen kann„). Falls Probleme mit dem Stillen z.B. aufgrund widriger Umstände auftauchen sollten (siehe den Artikel „Warum das Stillen häufig nicht klappt„), können Still- und Laktationsberaterinnen helfen (siehe u.a. unser IBCLC-Verzeichnis). Manchmal ist es unvermeidlich, dass ein Baby vorübergehend mit Säuglingsmilch zugefüttert wird. Das ist als medizinischer Notfall anzusehen.

Es ist sehr bedauerlich, dass manche Geburtskliniken den Müttern nahelegen, zur Geburt Säuglingsnahrung einzupacken. Das wirft ein sehr schlechtes Licht auf die Stillförderung in diesem Krankenhaus. Solche Aufforderungen implizieren, dass die künstliche Ernährung der Normalfall ist. Sie schwächen das Vertrauen der Mütter in ihre eigene Stillfähigkeit und führen dazu, dass bei Problemen mit dem Stillen gleich zur Flasche gegriffen wird. Frauen, die ihr Baby stillen möchten und bei denen keine medizinischen Gründe für mangelnde Milchbildung vorliegen, sollten keine künstliche Säuglingsmilch einpacken müssen. Idealerweise hält eine Geburtsklinik als Teil der medizinischen Versorgung Säuglingsmilch für Notfälle bereit. Selbst wenn ein Krankenhaus keine Säuglingsmilch auf Vorrat haben sollte, ist bei eventuellen Problemen mit der Milchbildung noch ausreichend Zeit, um in einem nahe liegenden Supermarkt oder Drogeriemarkt Säuglingsmilch zu besorgen.


© Dr. Z. Bauer – Publikationen in der Stillförderung. 2003-2017.